Corona de Sonetos

 

Da es verschiedene Herangehensweisen gibt, einen Sonettenkranz wortzuflechten, darf hier eine eher unübliche Variante vorgestellt werden, für die es von Vorteil sein kann, Regeln zu brechen statt einzuhalten:

 

15 Sonette gilt es, mit Inhalt und Klang zu füllen. Die letzte Zeile des vorhergehenden Sonetts wird jeweils als 1. Zeile wiederholt. Das Meistersonett - Numero 15 - besteht aus den Anfangsversen der 14 vorangehenden.

 

Bei der Wahl des Themas ist es von Nutzen, von dem, was einen dazu bewegt, einen Kranz zu schreiben, absolut durchdrungen zu sein, um später jedes einzelne Sonett sorgsam - Vers für Vers, Silbe für Silbe - wortewägend mit gedanklichem Hintergrund zu füllen, nicht um eitel versgekünstelt eine Menge zu schaffen, sondern weil man von dem, was den Leser erreichen soll, bis ins Tiefste überzeugt ist.

 

Es kann - muß aber nicht - mit dem Meistersonett begonnen werden. Wenn mit Sonett 15 begonnen wird, ist es ratsam, jede Zeile entweder als Satz abzuschließen, oder aber so zu formulieren, daß sie später in verschiedenen "Denkrichtungen" hin fortgesetzt werden kann. 

 

Bei den Quartetten halte ich den umarmenden Reim mit nur 2 Reimwörtern für die eindringlichste Variante, da so eine Melodie erzeugt werden kann, die dem Kranz die Klang-Krone verleiht. Auch beim Reimschema der Terzette halte ich den italienischen Stil für geeignet, den Leser in Atem zu halten, bis zuletzt durchzuhalten ;-)

 

Hat man sich für ein Sonett als Meistersonett entschieden, fängt jetzt die Arbeit erst richtig an: 

- Inspiration sammeln durch ausgedehnte Spaziergänge durch Gottes Schöpfung.

- Beleuchten des Themas von allen Seiten, evtl. mit genaueren Recherchen, wenn man mit den Einzelheiten des Themas noch vertrauter werden möchte. 

- Lesen, was andere zum selben Thema geschrieben haben, um evtl. festgefahrene Gedanken zu hinterfragen.

- Pausen einlegen beim Schreiben, damit das Gelesene und Empfundene zu Gehaltvollem gedeihen kann.

- Sich nicht mit unnötigen Lyriktheorien vollstopfen, sonst kann kein Herzblut fließen ;-)

 

 

Und noch ein "Geheimtipp" von mir: Vor jedem Sonett ein Gebet sprechen und Gott das Gelingen des Kranzes in die Hand legen. Dann kann nichts schief gehen ;-)

 

Man muß kein  Meister sein, um einen Kranz zu flechten.